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"Fukushima - Ein Jahr danach": Vortrag von Antje Wagner und Markus Büchler

2012 Fukushima-Vortrag Teaser

Ein Jahr ist seit dem Tsunami und der Atom- katastrophe in Fukushima vergangen. Tausende Menschen in Japan leiden immer noch unter den Folgen der Katastrophe. Antje Wagner und Markus Büchler waren in Japan unterwegs, um mit diesen Menschen zu sprechen und sich ein Bild von der Lage zu machen.

 

Auf Einladung von Vorstandssprecher Roman Kollar vom grünen Kreisverband Coburg-Stadt referierten Antje Wagner und Markus vom grünen Kreisverband München-Land im Haus Contakt über ihre Reise nach Japan, nach dem verheerenden Tsunami und der anschließenden Kernschmelze in mehreren Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima.

 

Laut " Deutsche Risikostudie Kernkraftwerke " rechneten 1979 Wissenschaftler mit einem "größten anzunehmenden Unfall" (Kernschmelze, Austritt von Radioaktivität) alle 10.000 Betriebsjahre je Reaktor. Bei grob gerechnet 400 Reaktoren weltweit bedeute das einen GAU alle 25 Jahre. Sieht man sich die Reihe von Unfällen von Harrisburg über Tschernobyl bis Fukushima an, kommt das ungefähr hin. Antje: "Gibt uns das jetzt 25 Jahre Zeit bis zum nächsten Unfall?"

 

Markus beleuchtete kurz das Wiedererstarken der Anti-Atombewegung nach dem Beschluss der schwarz-gelben Bundesregierung, die Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke zu verlängern, die massiven Proteste nach der Fukushima-Katastrophe und die Rücknahme des Beschlusses, der mit der sofortigen Stilllegung der 8 ältesten Atomkraftwerke verbunden war. Das sei aber nicht das Ende der atomfreundlichen Politik, so Markus: 9 deutsche Reaktoren sind noch in Betrieb, der letzte soll erst 2022 abgeschaltet werden, die Bundesregierung gewährt für einen AKW-Bau in Brasilien Hermes-Bürgschaften, die Bayerische Landesbank ist bei der Finanzierung eines neuen Reaktors in Finnland mit dabei, im Erneuerbare-Energien-Gesetz werden z.T. massive Kürzungen der Einspeisevergütungen durchgesetzt und die Atomlobby will eine Gleichstellung der Atomenergie mit den erneuerbare Energien, weil sie hilft, Treibhausgase einzusparen. "Der Kampf gegen die Atomkraft muss also fortgesetzt werden!"; so das Fazit von Markus.

 

Auf Einladung der japanischen Grünen waren Antje und Markus in der Präfektur Fukushima unterwegs, um sich dort mit von Tsunami und Atomkatastrophe Betroffenen zu unterhalten und sich einen persönlichen Eindruck von der Situation zu verschaffen. Erdbeben sind in Japan nichts Ungewöhnliches: Bereits seit 1904 gibt es Aufzeichnungen über Beben. 1933 gab es ein Erdbeben mit der Stärke 8,9, doch die japanischen Atomkraftwerke sind auf Erdbeben bis zur Stärke 8,0 ausgelegt! Das Erdbeben am 11. März 2011, das den Tsunami auslöste, hatte eine Stärke von 9,0.

 

Ob die massiven Schäden, die zum Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima führten, bereits durch das Erdbeben oder den Tsunami ausgelöst wurden, ist eine Detailfrage, die noch nicht abschließend geklärt ist. Fakt sei, dass die 5,7 Meter hohe Schutzmauer gegen Tsunamis von der heranrollenden Welle mit einer Höhe von 10 Meter überspült wurde und im Atomkraftwerk Stromversorgung und Notkühlung zusammen brachen. Es kam zu Überhitzung, Knallgasexplosionen, Kernschmelze und dem Austritt von Radioaktivität. Japan hatte Glück im Unglück: Nur der Hauptwindrichtung, die den Großteil des Fallouts über dem Pazifik geschehen ließ, war es zu verdanken, dass die Millionenmetropole Tokyo verschont blieb.

 

Auch ohne die Atomkatastrophe wurde Japan durch den Tsunami hart getroffen: Der Küstenstreifen im Nordosten des Landes wurde auf einer Fläche von 460 Quadratkilometern komplett zerstört, rund 300.000 Menschen feierten das Neujahrsfest, ein dreiviertel Jahr nach der Katastrophe, in Containersiedlungen. Immer noch sind Menschen, ein Jahr nach der Katastrophe, in Turnhallen untergebracht. 80.000 der Evakuierten sind Strahlenflüchtlinge, von denen ein Teil nie mehr wieder in ihre Heimat zurückgehen kann.

 

Antje und Markus sprachen mit Betroffenen und erfuhren von Versäumnissen, von Beschwichtigungen und Lügen: So wurden an Menschen in der Gefahrenzone um das havarierte Atomkraftwerk keine Jod-Tabletten ausgegeben, um Panik zu vermeiden. Es gab keine von der Regierung verteilten Geiger-Zähler. Die jetzt vorhandenen Geiger-Zähler schafften sich Betroffene selbst an. Kinder erhielten Messgürtel, um deren Strahlenbelastung zu messen. Die Auswertungen führte die Universität von Tokyo durch, doch bis zum heutigen Tag erfuhren die Eltern nichts von den Ergebnissen. Viele sind dauerhaft aus den belasteten Gebieten um Fukushima weg gezogen. Vor allem der wohlhabende Teil der Bevölkerung ist weg, zurück bleiben die Armen, die Alten und Kranken. Die Kommunen, die für die Dekontamination der Verkehrsinfrastruktur und öffentlicher Einrichtungen zuständig sind, müssen diese auf eigene Kosten durchführen, aber so gut wie alle Einnahmen sind weg gebrochen.

 

Die Katastrophe wird zu menschlichen Schicksalen: Ein Jungunternehmer kann nicht von seinem neu hergerichteten Restaurant weg, weil sein ganzes Geld drin steckt; würde er weg ziehen, hätte er keine Ansprüche auf Entschädigung. Und die Kundschaft bleibt aus, weil kein Mensch in eine strahlenbelastete Stadt fährt, um dort essen zu gehen. Eine Erzieherin leidet mit den von ihr betreuten Kindern, weil diese fast ausschließlich in geschlossenen Räumen aufwachsen werden. Denn draußen ist die Strahlenbelastung viel zu hoch und auf Dauer schädlich. Ein Kinderarzt berichtet, dass er bei 500 untersuchten Kindern 277-mal radioaktives Jod in der Schilddrüse fand. Eine tickende Zeitbombe. Landwirte und Fischer haben ihre Existenzgrundlage verloren, Produkte aus Fukushima genossen vor der Katastrophe einen guten Ruf, jetzt sind sie nicht oder nur schwer zu verkaufen. Eine alte Frau hofft, bald wieder in ihr vom Tsunami unbeschädigtes Haus zurückkehren zu können. Doch keiner sagt ihr, dass die Strahlenbelastung so hoch ist, dass sie zu ihren Lebzeiten dort nicht mehr wohnen wird.

 

Das Vertrauen in die Politik ist zerstört, viele Betroffene kämpfen zunehmend gegen Verzweiflung und Depression. Eine überwiegende Mehrheit der Japaner, so Antje und Markus, würde sich jetzt deutlich gegen Atomenergie aussprechen. Doch die Verflechtungen zwischen Atomwirtschaft und Politik sind eng, das politische System in Japan lässt keine schnellen Veränderungen zu und benachteiligt kleine Gruppierungen wie die japanischen Grünen.

 

Zum Schluss ihres Vortrags verdeutlichten Antje und Markus, dass eine Atomkatastrophe wie in Fukushima weite Teile Mitteleuropas für Jahrhunderte unbewohnbar machen würde und hohe Opferzahlen zur Folge hätte, wäre der Standort des havarierten Kraftwerks zum Beispiel im französischen Cattenom. Der Kampf gegen die Atomenergie und für die Energiewende müsse also konsequent weiter geführt werden. Eine Ansicht, die wohl alle teilten, die zu dieser Veranstaltung gekommen sind!

 

2012 Fukushima-Vortrag 01

Mit einer Präsentation vermittelten Antje Wagner und Markus Büchler ihre persönlichen Eindrücke von der Reise nach Japan, um sich vor Ort über die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe im AKW Fukushima zu informieren.

 

2012 Fukushima-Vortrag 02

Besucher des Vortrags im Haus Contakt.

 

2012 Fukushima-Vortrag 03

Antje Wagner.

 

2012 Fukushima-Vortrag 04

Markus Büchler.

 

2012 Fukushima-Vortrag 05

Es gibt auch eine grüne Partei in Japan. Mit einem japanischen Grünen suchten Antje Wagner und Markus Büchler das Gespräch mit Betroffenen der Fukushima-Katastrophe. Und sie stellten fest: Die Anti-Atombewegung wächst.

 

2012 Fukushima-Vortrag 06

Antje Wagner und Markus Büchler im Gespräch mit Evakuierten.

 

2012 Fukushima-Vortrag 07

Ein weiterer Interview-Partner mit einer Karte, auf der die Strahlenbelastung rund um das AKW Fukushima zu sehen ist: Rot zeigt die höchste radioaktive Belastung. Die kreisförmige Ausweisung der 20- und 30-km-Gefahrenzonen trägt der tatsächlichen radioaktiven Belastung keine Rechnung.

 

2012 Fukushima-Vortrag 08

Eine alte Frau, die nur zeitweise ihr Haus in der 30-km-Zone besuchen kann, um nach dem Rechten zu sehen. Mit auf dem Bild Antje Wagner und ein Dolmetscher.

 

2012 Fukushima-Vortrag 09

Eine Straßensperre am 20-km-Sperrgürtel um das Atomkraftwerk Fukushima.

 

2012 Fukushima-Vortrag 10

Markus Büchler, Antje Wagner und Vorstandssprecher Roman Kollar, der die beiden Grünen vom Kreisverband München-Land zum Vortrag nach Coburg eingeladen hatte.

 

 

Wolfgang Weiß

29.04.2012

 

 

 

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