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Grüne Energietour durch Bayern: Ludwig Hartmann und Ulrike Gote zu Gast bei der Hochschule Coburg

Teaserbild Ulrike Ludwig Energietour Coburg

Als kompetente Gesprächspartner in Sachen Energie wurden sie von Prof. Dr. Michael Rossner und Prof. Dr. Peter Schwarz empfangen. Themen des rund zweistündigen Gesprächs: Netzumbau, Netzertüchtigung und dezentrale Energiespeicherung

 

Ludwig Hartmann, energiepolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion, machte gleich zu Beginn des Gesprächs deutlich, wie wichtig diese Themen für die Grünen sind, die möglichst bald die Energiewende - weg von der bisherigen atomar-fossilen Energiewirtschaft, hin zu einer Vollversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien - wollen. Mit der Energietour 2011 durch Bayern versucht die grüne Landtagsfraktion sowohl auf die bisherigen Erfolge aufmerksam zu machen, als auch auf die bestehenden Probleme aufmerksam zu machen. Dazu gehören sicherlich Fragen der notwendigen Ertüchtigung des Stromnetzes und die Sicherstellung der Netzstabilität auch bei zum Teil stark schwankendem Angebot von Strom aus Wind und Sonne. Ludwig Hartmann äußerte Kritik an der bisherigen fehlenden Transparenz der deutschen Stromnetzbetreiber und er äußerte auch Skepsis gegenüber einigen Zahlen in der DENA-Netzstudie, die einen gewaltigen Neubaubedarf an Stromtrassen sieht, um Wind- und Sonnenstrom ins deutsche Stromnetz zu integrieren.

Prof. Dr. Michael Rossner, Dekan der Fakultät Elektrotechnik und Informatik an der Hochschule Coburg, konnte die Skepsis teilen, er machte aber auch auf die sehr komplexe Problemstellung aufmerksam, die sich durch die Energiewende ergibt: die Netzanpassung hänge von vielen verschiedenen Faktoren ab, die sich bis in weitere Zukunft nicht gut abschätzen lassen: Wie rasch wird die Entwicklung bei der Stromerzeugung auf dem Meer, die Offshore-Technik, voran kommen? Wann wird die Fotovoltaik im Vergleich zu anderen Arten der Stromerzeugung wirtschaftlich und welche Dynamik ergibt sich daraus? Inwieweit kann man Einfluss auf das Verbrauchsverhalten der Stromkunden nehmen und damit den Stromverbrauch flexibel steuern? Wie wird die Anpassung des Stromnetzes geschehen: wird man sich auf wenige große Übertragungsleitungen konzentrieren oder flächig das Netz verstärken und erweitern? Prof. Dr. Rossner bestätigte den dringenden Handlungsbedarf, denn spätestens zum Jahr 2021 soll das letzte deutsche Atomkraftwerk abgeschaltet werden.

Kurz wurde über das Thema Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, kurz: HGÜ gesprochen. Prof. Dr. Rossner machte deutlich, dass es eine Umstellung des Stromnetzes auf Gleichstrom nicht flächendeckend geben wird. HGÜ wäre eine geeignete Technik zum Stromtransport für Strecken ab 500 Kilometer und wäre erst bei einer Leistung ab 2 Gigawatt wirtschaftlich, besser wären 5 Gigawatt. Für ihn sind das die "sechsspurigen Autobahnen", um im Bild des Straßenverkehrs zu bleiben.

Zur Sprache kam auch die Frage, ob das Stromnetz der Deutschen Bahn helfen könne, die Netzertüchtigung in Deutschland sicher zu stellen. Prof. Dr. Peter Schwarz machte auf die unterschiedlichen Frequenzen aufmerksam: während das Stromnetz der Energieversorger mit 50 Hertz arbeite, funktioniere das Bahnnetz mit 16 2/3 Hertz. Zudem wäre der Bahnstrom ein Ein-Phasen-Strom, während moderne Stromnetze mit 3-Phasen-Strom arbeiten. Die unterschiedlichen Netze aufeinander abzustimmen koste Geld und trage nicht unbedingt zur Netzstabilität bei.

Prof. Dr. Rossner glaubt nicht daran, dass bei der Anpassung des Stromnetzes an die veränderten Bedingungen gleich der "große Wurf" gelinge. Vielmehr müsse man sich entschlossen an die einzelnen Problemstellungen heran arbeiten und aus den kleinen Schritten, mit denen man Erfahrungen gewinne, größere Schritte ableiten und umsetzen. So lehne er Hochtemperaturseile nicht ab. Diese seien eine "provisorische Möglichkeit", die Durchleitungsleistung im Stromnetz zu steigern, auch wenn man damit höhere Stromverluste und eine gewisse
Gefahr für die Netzstabilität in Kauf nehme, weil bestimmte Schutzvorrichtungen schlechter funktionieren, je größer die Stromstärken sind.

Einig waren sich die Gesprächspartner bei ihrer Forderung nach einem Gesamtkonzept für die Anpassung des Stromnetzes an die Energiezukunft, die von den erneuerbaren Energien dominiert sein wird. Prof. Dr. Schwarz machte deutlich, dass die Energieerzeugung der Zukunft woanders statt findet als die gegenwärtige Verteilung der Kohle- und Atomkraftwerke: "Strom wird künftig dort erzeugt werden, wo er am wirtschaftlichsten zu gewinnen ist!" Damit wäre auch klar, dass die Erzeugung von Windenergie eher in Nord- als in Süddeutschland statt finden wird und die Erzeugung von Wasserstrom eher in Süd- als in Norddeutschland. Damit ergäbe sich zwangsläufig ein erhöhter Transportbedarf. Diskutiert wurde über die Möglichkeit, durch die Anhebung der Vergütungssätze für im Binnenland erzeugten Windstrom die Verteilung der installierten Windenergieleistung über Deutschland besser zu verteilen und damit den Umfang des Leitungsausbaus zu reduzieren. Einig waren sich alle darüber, das Stromnetz nicht auf die Spitzenlast auszulegen. Um eben dies zu vermeiden, würden Stromspeicher eine entscheidende Rolle spielen, machte Ludwig Hartmann deutlich.

Und damit war die Gesprächsrunde bei dem Thema, zu dem sich Prof. Dr. Rossner und Prof. Dr. Schwarz schon einige Gedanken gemacht haben. "Je mehr es gelingt, Speichertechnik zu integrieren, umso weniger brauchen wir einen starken Netzausbau!", ist sich Prof. Dr. Schwarz sicher. Prof. Dr. Schwarz hat zuhause eine eigene Fotovoltaikanlage auf dem Dach und machte sich schon Gedanken über die Nutzung von Batteriespeichern im Haus. Prof. Dr. Rossner zählte die bisherigen Methoden zur Stromspeicherung auf: Pumpspeicher, Drucklufttechnik, Wasserstofftechnik und die Umwandlung von Wasserstoff in Methan, das dem Erdgasnetz zugeführt werden kann und Elektrochemie oder verständlicher formuliert: Batterietechnik. Die Batterietechnik wollen die beiden Professoren der Hochschule Coburg in einem Projekt näher untersuchen. Die gespeicherte Strommenge in Batterien würde bisher total unterschätzt werden, meinte Prof. Dr. Rossner: alle Autobatterien in Deutschland zusammen genommen speichern rund 40 Gigawattstunden Strom - mehr als alle Pumpspeicherkraftwerke!

 

Welche Auswirkungen hätten ortsfeste und dezentrale Batteriespeicher für das Stromnetz? Dieser Fragestellung wollen Prof. Dr. Rossner und Prof. Dr. Schwarz in einem Projekt nachgehen. Zusammen mit dem kommunalen Energieversorger und anderen Partnern sollen an 5 bis 10 Netzknotenpunkten Stromspeicher installiert werden, die 1 Megawattstunde Strom speichern und abgeben können. Im Versorgungsgebiet der Städtischen Werke-Überlandwerke Coburg sind derzeit Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von 6 Megawatt peak installiert. Schon jetzt seien die Schwankungen auf das Stromnetz beträchtlich, die zur Sicherstellung der Netzstabilität ausgeglichen werden müssen. Die beiden Professoren wollen nun wissenschaftlich untersuchen, in welchem Umfang die Speichertechnik stabilisierend wirken könne. Dasselbe gelte bei Reaktionen auf Spitzenlasten und Einspeiseflauten durch Schlechtwetter. Die beiden Professoren wollen bei ihrem Projekt auf bewährte und in großer Anzahl auch schnell verfügbareTechnik setzen: Blei-Akkus. Gewicht und Größe spielten bei den ortsfesten, in einem Container untergebrachten Speichern, keine Rolle und Blei wäre trotz allem ein preisgünstiges und relativ recyclingfreundliches Material. Doch rufen auch Blei-Akkus Bedenken hinsichtlich des Innovationscharachters und des Wirkungsgrades hervor. Immerhin könnten im Kfz-Bereich Bleiakkus durch Lithium-Ionen Technologie substituiert werden um so  die insgesamt angestrebte Bleireduzierung zu erreichen. Leichte Lithium-Ionen-Technik im mobilen Bereich - Bleiakkus bei ortsfesten Anwendungen.  Ludwig Hartmann und Ulrike Gote wollen hierbei Hilfestellung geben. Denn man müsse jetzt handeln und die Gründe, weshalb man sich bei diesem Projekt für Blei-Akkus entschieden habe, seien nachvollziehbar. Ulrike Gote, grüne Landtagsabgeordnete aus Bayreuth, machte auch deutlich, dass die Speichertechnologie in Bürgerhand gehöre. Denn wie bei der Stromerzeugung und der Kontrolle der Stromnetze gehe es auch bei der Stromspeicherung letztlich um Macht. Die Idee von Wolf von Fabeck, Vorsitzender des Solarenergie-Fördervereins Deutschland e.V. in Anlehnung an das Erneuerbare-Energien-Gesetz ein Stromspeicher-Gesetz zu schaffen, das BürgerInnen motiviere, in Stromspeichertechnik zu investieren und über Smart-Grid-Technologie den gespeicherten Strom zur Verfügung zu stellen, wenn er gebraucht wird, geht in die richtige Richtung.

 

Zum Schluss des Gesprächs machte Prof. Dr. Schwarz deutlich, dass 12 Jahre bis zum Abschalten des letzten deutschen Atomkraftwerks eine sehr kurze Zeit wären, um die Stromversorgung umzustellen. Deshalb müsse man jetzt und sofort mit der Anpassung des Stromnetzes anfangen. So sehen es Ludwig Hartmann, Ulrike Gote und die Grünen in Bayern auch!

 

2011.07.27 Energietour 1

Prof. Dr. Peter Schwarz und Prof. Dr. Michael Rossner empfangen die Landtagsabgeordneten Ulrike Gote und Ludwig Hartmann. U.a. mit dabei: Anette Martin, Sabine Steininger und Dagmar Escher.

 

2011.07.27 Energietour 2

Prof. Dr. Rossner erläutert einen Versuchsaufbau

 

2011.07.27 Energietour 3

Erläuterungen an einem Modell zum Thema Brennstoffzelle

 

2011.07.27 Energietour 4

Ulrike Gote, Ludwig Hartmann, Prof. Dr. Rossner

 

2011.07.27 Energietour 5

Gespräch und Diskussion mit Prof. Dr. Michael Rossner und Prof. Dr. Peter Schwarz

 

2011.07.27 Energietour 6

Gespräch und Diskussion mit Ulrike Gote, Ludwig Hartmann, Anette Martin und Dagmar Escher

 

Wolfgang Weiß

29.07.2011

 

 

 

 

 

 

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