Login

Login




Passwort vergessen?
.

 

Mitmachen und Mitglied werden

 


 

Atomausstieg selber machen

 


 

Grüne Emanzipatorische Linke

 

Grüne - Linke

Sozial, ökologisch, basisdemokratisch, gewaltfrei

 


 

Datenschutz ist Bürgerrecht

 

Überwachungsstaat

verhindern -

Datenschutz ist Bürgerrecht

 

.

Inklusion statt Neubau eines Schulförderzentrums

Bild Integrative Schule

Ein Thema der Stadtratssitzung im Oktober war u.a. die Gewährung eines städtischen Zuschusses zum Bau eines neuen Schulförderzentrums durch den Verein "Hilfe für das behinderte Kind" e.V. Wolf-Rüdiger Benzel begründete ausführlich, warum die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen dagegen stimmte:

 

Bereits im Voraus wollen wir uns für die gute Arbeit des Vereins "Hilfe für das behinderte Kind e. V.“ bedanken. Trotzdem können wir von Bündnis 90/Die Grünen den vom Verein gestellten Antrag nicht unterstützen.

Wir wollen die Entwicklung für eine „Schule für alle“ vorantreiben.

Wir wollen eine inklusive Schule. Hier werden Kinder mit spezifischen Bedürfnissen gemeinsam mit allen anderen unterricht, sie leben und lernen zusammen. Niemand darf ausgesondert und/oder zurückgelassen werden.

In der Behindertenrechtskonvention (BRK) ist Inklusion eine der zentralen Grundlagen, die als Menschenrecht in Deutschland mit geeigneten Maßnahmen umzusetzen ist.

In einem Landtagsbeschluss im April 2010 wurde die BRK anerkannt und die Staatsregierung aufgefordert, ein Konzept zur Umsetzung eines inklusiven Bildungssystems vorzulegen. Bis jetzt ist nichts passiert. Offensichtlich plant die Regierung ihr Konzept „Integration durch Kooperation“ fortzusetzen – unter Beibehaltung des weiteren Ausbaus von Förderschulen.

Andere Bundesländer sind da bereits erheblich weiter: So hat Bremen sein Schulgesetz bereits reformiert (mit Elternwahlrecht; über 60% wählen dort bereits Regelschulen!).

Auch bei allen offenen Fragen, möglichen Verzögerungen und Rückschritten dürfte klar sein, dass auch in Bayern das Elternwahlrecht faktisch frei gegeben wird, wobei die Einschränkung immer sein wird, ob die Eltern an einer Regelschule die entsprechende Förderung finden.

Unser Ziel muss daher sein, die Angebote möglichst dezentral anzubieten, damit die Kinder und Jugendlichen auch ortsnahe Schulen besuchen können.

Im Landkreis Kehlheim gibt es Überlegungen, nicht mehr die zentrale und baufällige Förderschule neu zu bauen, sondern stattdessen mehrere Baumaßnahmen an Regelschulen anzugliedern, übrigens sogar in Zusammenarbeit mit einem privaten Träger.

Das muss unser Erachtens auch das Ziel in und für Coburg sein.

Die inklusive Weiterentwicklung des Schulsystems ist rechtlich geboten. Deutschland hat sich in einer im März 2009 rechtskräftig gewordenen UN-Konvention verpflichtet, Inklusion bzw. Integration im Schulsystem zu verwirklichen. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland schlecht ab: Während in Spanien, Italien und den skandinavischen Ländern fast alle Schüler mit Förderbedarf in allgemein bildenden Schulen beschult werden. In Großbritannien sind es über 60 Prozent. In Deutschland liegt der Bundesdurchschnitt nur bei traurigen 15 Prozent.

Eine inklusive Schule ist eine Schule, die allen Kindern zugänglich ist und jedes Kind unabhängig von seiner sozialen Herkunft, seiner möglichen Behinderung oder seines Migrationshintergrundes in gemischten Lerngruppen optimal und individuell gefördert wird.

Inklusive Schulen aus den folgenden Gründen:

  • Inklusive Schulen ermöglichen bessere Teilhabechancen für Kinder mit Förderbedarf, die in den bisher dominierenden Förderschulen nur selten soziale Kontakte mit der Nachbarschaft und nur eingeschränkte Chancen auf einen weiterqualifizierenden Abschluss haben.

  • Ein gemeinsamer Unterricht wirkt sich auch für Kinder ohne Förderbedarf positiv aus – nicht nur bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen. Wie mittlerweile umfangreiche Studien belegen, profitieren alle Kinder von der Praxis individueller Förderung, die in einer inklusiven Schule konsequent verankert ist.

  • Schließlich verbessert die inklusive Schule auch die Teilhabechancen von Kindern aus sozial schwachen und Zuwandererfamilien, deren Anteil in Förderschulen zurzeit überproportional hoch ist.

  • Ziel des evolutionären Veränderungsprozesses ist es, so viel Inklusion wie möglich im Schulsystem zu realisieren. Dabei muss der Prozess allen gerecht werden:

den Kindern, die ein individuelles Recht auf optimale individuelle Förderung haben,

den Eltern, die das Beste für ihr Kind wollen und

den Lehrkräften bzw. den Schulen, die über entsprechende Möglichkeiten zur Förderung verfügen müssen.

 

Es gibt in Deutschland bei der Inklusion und der Feststellung des Förderbedarfs große Unterschiede: So variiert beispielsweise die Inklusionsquote von Kindern mit Förderbedarf in allgemeinen Schulen zwischen den Bundesländern von unter 6 bis über 40 Prozent. Diese große Bandbreite macht die Notwendigkeit von Transparenz und den Handlungsbedarf unmittelbar deutlich.

Wolf-Rüdiger Benzel

21.10.2010

 

Zehn Thesen zum Thema schulische Inklusion formulierte Thomas Gehring, schulpolitischer Sprecher der bayerischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung. Hier der Link:

10 Thesen zur schulischen Inklusion

 

Der Journalist und Wissenschaftsredakteur Martin Spiewak kritisiert in einem Artikel in der Wochenzeitung DIE ZEIT die mangelnde Bereitschaft zur Inklusion in der deutschen Bildungspolitik:

Kein Sonderweg!

 

 

 

 

Dieser Artikel wurde bereits 11990 mal angesehen.



.