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"Zehn Milliarden" von Stephen Emmott

Zehn Milliarden Teaser

"Wenn wir eine globale Katastrophe verhindern wollen, müssen wir irgendetwas Radikales tun - und ich meine wirklich tun." Stephen Emmott

Eine Buchempfehlung zum Jahreswechsel, an dem laut Deutscher Stiftung Weltbevölkerung mehr als 7,2 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben werden.

 

Es ist ein ernüchterndes Buch. Es ist ein pessimistisches Buch. Es ist ein Buch, das Entwicklungen schonungslos aufzeigt, ohne deren Konsequenzen für den Planeten Erde und die Spezies Mensch genauer zu benennen:

 

„Dies ist ein Buch über uns. Es ist ein Buch über Sie, Ihre Kinder, Ihre Eltern, Ihre Freunde. Es geht um jeden Einzelnen von uns. Und um unser Versagen. Unser Versagen als Individuen, das Versagen der Wirtschaft und das unserer Politiker. Es geht um den beispiellosen Notfall planetarischen Ausmaßes, den wir selbst geschaffen haben. Es geht um unsere Zukunft."

 

Dieses Zitat stammt aus dem Buch von Stephen Emmott mit dem Titel „ Zehn Milliarden ". Und der eben zitierte Text steht als einziger im ganzen Buch mit weißer Schrift auf einer schwarzen Buchseite. Dramatisch inszeniert, einprägsam gestaltet. Als Einführung.

 

Der Autor:

Professor Dr. Stephen Emmott  ist wissenschaftlicher Leiter eines Forschungslabors in Cambridge, leitender Mitarbeiter der London  School of Economics and Political Science und für das Fach „rechnergestützte Naturwissenschaften" an der Universität in Oxford verantwortlich. Sein Buch listet Fakten auf, zeigt Entwicklungen und erläutert die Probleme, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben. Stephen Emmott weist auf notwendige Konsequenzen hin, die bestimmte Entwicklungen verlangen, um eine Katastrophe zu vermeiden. Und er stellt fest, dass es diese Konsequenzen nicht gibt. Nicht jetzt, und auch in naher Zukunft nicht. Dafür benutzt er den Begriff „Versagen".

 

Der Inhalt des Buchs:

Der Buchtitel macht deutlich, worum es dem Autor geht: Aufzuzeigen, was es für den Planeten Erde bedeutet, Heimat für zehn Milliarden Menschen zu sein. Zehn Milliarden Menschen, die voraussichtlich im Jahr 2100 auf der Erde leben werden. Mindestens! Das Wachstum der Erdbevölkerung: Grafisch dargestellt eine Exponentialkurve. Zuerst ein ganz flacher Kurvenverlauf, der zunächst langsam, dann immer stärker ansteigt. „Noch vor 10.000 Jahren lebte eine Million Menschen auf der Erde. Um 1800, vor gerade einmal 200 Jahren, war es eine Milliarde. Vor 50 Jahren waren es drei Milliarden. Jetzt sind wir mehr als sieben Milliarden. Im Jahr 2050 werden Ihre Kinder oder die Kinder Ihrer Kinder zusammen mit mindestens neun Milliarden anderen Menschen auf diesem Planeten leben. Irgendwann gegen Ende dieses Jahrhunderts werden wir mindestens zehn Milliarden Menschen sein. Möglicherweise sogar mehr."

 

Dieses rasante Wachstum war nur durch eine rasante Steigerung der Nahrungsmittelproduktion möglich: Von den Jäger- und Sammlerkulturen über die Erfindung der Landwirtschaft und Viehzucht bis hin zur Industrialisierung der Landwirtschaft mit dem Einsatz von Düngemitteln und Chemie. Immer mehr Menschen, die sich ernähren müssen, die konsumieren und nach einem höheren Lebensstandard streben. Das Wachstum der Erdbevölkerung: Eine Exponentialkurve, die weitere „Exponentialkurven" auslöst, mit entsprechenden negativen Konsequenzen: Die Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen auf Kosten der Wälder. Die Ausbeutung von Bodenschätzen und fossiler Energieträger mit riesigen Belastungen für das Klima und die Umwelt. Die globale Übernutzung mariner Ökosysteme durch Überfischung mit der Konsequenz „Meer leer!". Stephen Emmott listet fast emotionslos alles auf und verdeutlicht es mit Grafiken: Den Anstieg der Treibhausgase in unserer Atmosphäre, der den Klimawandel vorantreibt. Der rasant wachsende Wasserverbrauch von Landwirtschaft und Industrie, der die Regeneration der Trinkwasserreservoirs unmöglich macht. Die Zunahme von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren,  der jeglichen positiven Effekt in der Motorenentwicklung wie Schadstoffreduktion oder Verbrauchsminderung  auffrisst. Der sich ausweitende Flugverkehr, der nicht nur zusätzlich das Klima belastet, sondern auch der Ausbreitung von gefährlichen Krankheitserregern Vorschub leistet.

 

Zehn Milliarden Zusammenstellung Grafiken

Eine Zusammenstellung von Grafiken aus dem Buch "Zehn Milliarden": U.a. Bevölkerungswachstum, Wasserverbrauch, Energiegewinnung aus Kohle, Verlust von Regenwäldern, Anstieg Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre.

 

Stephen Emmott geht auf die Strategien ein, die eingeschlagen wurden, um Probleme in der Vergangenheit und Gegenwart zu lösen. Für ihn sind viele Problemlösungen nur ein Verschiebebahnhof von Problemen: Zum Beispiel ging die „grüne Revolution" zur Steigerung der Nahrungsmittelproduktion einher mit einem höheren Energie- und Technikeinsatz sowie einer starken Belastung der Böden durch Giftstoffe und Erosion. Mit dieser Hypothek ist eine weitere Steigerung der Nahrungsmittelproduktion für eine wachsende Weltbevölkerung kaum möglich. Dazu kommen abzusehende massive Störungen durch Wetterkapriolen: Die Hitzewellen 2008 in Australien, 2010 in Russland und 2012 in den USA lösten nicht nur verheerende Busch- und Waldbrände aus, sie vernichteten auch bis zu 40 Prozent der Getreideernten. Der Autor sieht keine Chancen, sich aus den massiven Problemen unseres Lebens- und Wirtschaftsstils „herauszutechnologisieren":  Die einzige Chance für unser Überleben ist seiner Ansicht nach ein radikaler Wandel unseres Verhaltens, unseres Wirtschaftens, unseres Umgangs mit dem Planeten Erde.

 

Wie entgehen wir einer globalen Katastrophe?

Und jetzt wird Stephen Emmott wieder zum nüchternen Wissenschaftler: „Wir müssen unseren Konsum reduzieren. Drastisch. Und wir müssen sparsamer mit unseren Ressourcen umgehen. Viel sparsamer. Wenn solch radikale Verhaltensänderungen Wirklichkeit werden sollen, sind seitens der Regierungen ebenfalls radikale Maßnahmen nötig. Diesbezüglich sind die Politiker heute allerdings Teil des Problems, nicht der Lösung. Aus einem einfachen Grund: Würden die Politiker die notwendigen Entscheidungen treffen, wären sie sehr schnell ziemlich unbeliebt. Und das wissen sie selbst nur allzu gut. Die Politiker haben sich also stattdessen für den Weg der gescheiterten Verhandlungen entschieden."  Als Beispiele listet er die UN-Klimaverhandlungen, das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung oder die Biodiversitäts-Konvention von Rio de Janeiro auf.

 

Stephen Emmott kommt zum Schluss: „Ich glaube, wir sind nicht mehr zu retten." - Ist das jetzt „ehrlicher Pessimismus" verbunden mit Resignation, oder der Versuch, die Leser des Buchs wach zu rütteln und zu Verhaltensänderungen zu bewegen, die in eine gesellschaftliche Bewegung münden?

 

Ich muss an den Science-Fiction-Film " Twelve Monkeys " aus dem Jahr 1995 denken. Ein Film, der Bruce Willis und Brad Pitt als Charakterdarsteller bekannt machte. In diesem Film nutzt ein Wissenschaftler, ein Dr. Peter (gespielt von David Morse), seine Arbeit in einem Hochsicherheitslabor, um einen tödlichen Virus heraus zu schmuggeln und diesen global zu verbreiten. Dr. Peter ist davon überzeugt, nur so den Planeten Erde retten zu können, und er ist bereit, dafür den Tod von Milliarden Menschen zu verantworten und sich selbst zu opfern. Die Pandemie bricht im Film im Jahr 1996 aus und rafft Milliarden von Menschen hin. Für den wahnsinnigen Dr. Peter waren fünf Milliarden Menschen schon Grund genug zu radikalem Handeln. Stephen Emmott beschreibt in seinem Buch eine Welt mit zehn Milliarden Menschen im Jahr 2100. Zum Jahreswechsel werden wir 7.202.901.000 Menschen sein.

 

Charlotte Wiedemann stellt in einem Kommentar fest: „ Wir verhalten uns nicht adäquat! "  Sie bezieht sich hauptsächlich auf die politische Situation in Deutschland zur Bundestagswahl. Dieses Statement gilt aber auch für unser Verhalten auf die Probleme zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Stephen Emmott macht deutlich, wie kritisch es um uns und das Überleben der Menschheit steht. Fangen wir an, uns den Herausforderungen zu stellen: In unserem Verhalten. In Gesprächen und Diskussionen mit Freunden und Kollegen. In unseren politischen Entscheidungen.

 

Wolfgang Weiß

27.12.2013

 

 

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