04.09.2020

Von: Stephy Beck

Jetzt aber: „Kinder an die Macht!“

Am 30.04.2020 lief offizielle die Amtszeit des Kinderbeauftragten der Stadt Coburg aus. Es gab eine offizielle Ausschreibung, ein intensives Bewerbungsverfahren und entsprechende Sitzungen. Aber unklar ist das Ergebnis!

Wie steht es konkret um den oder die Kinderbeauftragte der Stadt Coburg? Irgendwie ist es ruhig um dieses Thema geworden, fast stumm und das schon seit 4 Monaten.

Der frühere Kinderbeauftragte, Thomas Apfel, ist in den Stadtrat gewählt worden, aber das Amt des Kinderbeauftragten ist seit Mai nicht nachbesetzt worden. Oder wie ist das eigentlich genau? Die Stelle wurde öffentlich ausgeschrieben, es gab Sitzungen, aber wie sieht es mit dem aktuellen Ergebnis aus?- Stille! Wer vertritt nun Coburgs Kinder? Was ist los? Und warum ist es so sehr still um dieses Thema? Stille gehört nicht unbedingt zu den zentralen Eigenschaften von Kindern, ganz im Gegenteil. Kinder sind lebendig, quirlig, laut und brauchen eine laute und starke offizielle Vertretung in unserer Stadt!

Denn eine Stadt wie Coburg, die Lebensraum von Menschen verschiedenster Lebenssituationen ist, hat Sorge zu tragen, dass die Schwächsten besonders in den Blickpunkt genommen werden. Der Schutz der Kinder, aber auch das Vertreten deren Anliegen, gehört zu einem modernen Verständnis von Gesellschaft. Kinder müssen für eine zukunftsfähige Stadt mitgedacht werden und deutlich in den Mittepunkt rücken.

Was eine Stadt kinderfreundlich macht, das wissen die am besten, die es betrifft: Kinder. Wie das geht ist ganz einfach und viele Einrichtungen, Institutionen und Kommunen machen dies vor.

Die Psychologin Theresa Scholz bestätigt: „Inzwischen ist unumstritten, dass Kinder ihre Ideen, Bedürfnisse und Kritik klar benennen können. Grundlage dafür ist jedoch, dass sie gefragt werden, aber auch die ernsthafte Bereitschaft, dass Lösungen gesucht werden.“

Kinder überall dort unmittelbar zu beteiligen, wo für sie relevante Entscheidungen getroffen werden, ist eine pädagogische Grundhaltung. „Partizipation“ heißt der Fachbegriff, der genau dies zusammenfasst. Bereits Kindertagestätten sind spätestens seit 2004 gesetzlich zur direkten Beteiligung der Kinder verpflichtet. Dies betrifft alltägliche und strukturelle Aspekte und bedarf einer Haltung des Zutrauens und der Ermutigung. Abstimmungen, Kinderparlamente, Kinderkonferenzen, Kinderumfragen sind übliche Instrumente, die Kindern ermöglichen sich zu äußern und zu beteiligen. Somit wissen Coburgs Kinder, wie Mitbestimmung geht.

Die Kindheitspädagogin Stephy Beck weiß: „Dass Kinder ganz selbstverständlich ab der ersten Jahrgangsstufe Klassensprecher*innen wählen, an U18-Wahlen teilnehmen und mitentscheiden wollen, zeugt von einem Wandel im Umgang mit Kindern.“

Von „Werte und Wandel“ ist in Coburg oft die Rede. Was wäre dies nun für ein zeitgemäßer Wandel, wenn die Kinder selbst ihren oder ihre Kinderbeauftraget wählen würden? Zunächst würden wohl Zweifel aufkommen, ob das funktioniert, aber eher bei den Nicht-Kindern, den Erwachsenen. Die Frage: „Wo kämen wir denn hin, wenn Kinder dies selbst entscheiden würden?“ lässt sich ganz leicht beantworten. Wir kämen genau dorthin, wo es sinnvoll ist hin zu kommen: zu Partizipation und glaubhaften demokratischen Erst-Erfahrungen. Eigentlich ist es ein übliches und sinnvolles Prinzip, wenn die entscheiden, die es betrifft.

Für die Umsetzung eine Kinderwahl gibt es bereits erprobte Modelle und es wird mit Sicherheit kein Problem darstellen, Helfer und Helferinnen für die praktische Umsetzung zu finden. Letztlich gibt es nur eine einzige ungeklärte Frage: „Wollen wir in Coburg die Mitbestimmung von Kindern?“

 

Nehmen wir einmal an, die Kinder hätten im April gewählt, dann hätten wir mit Sicherheit schon ein Wahlergebnis vorliegen. Dann wäre keine Unklarheit darüber, wie der Prozess von Ausschreibung, Bewerbung und Entscheidung ablief. Kinder sind hier eindeutig und mitteilsam. Sie diskutieren, fragen nach, auch manchmal etwas unbequem. Aber, dann hätten wir alle Klarheit und eine oder einen Kinderbeauftragten, über den alle Bescheid wüssten. Vor allem die Kinder!

Denn, was ist nun, wenn es aktuell wirklich keine oder keinen Kinderbeauftragten gibt? Die Lösung ist einfach: Jetzt aber! Kinder an die Macht!

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