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Fachgespräch "Netzausbau" der grünen Landtagsfraktion in Coburg

Landtagsgrüne in Coburg Teaser

Mitte Januar war die Landtagsfraktion der Bayerischen Grünen zu ihrer Winterklausur in Coburg. Neben dem Thema "Demografischer Wandel" stand auch die Integration Erneuerbarer Energien ins deutsche Stromnetz auf der Agenda. Dazu gab es das Fachgespräch "Netzausbau" im Pfarrzentrum St. Augustin.

 

Neben den grünen Landtagsabgeordneten und deren MitarbeiterInnen waren zum Fachgespräch auch VertreterInnen der Bürgerinitiativen aus Thüringen und Coburg eingeladen, die sich in der Interessengemeinschaft "Achtung Hochspannung" zusammen geschlossen haben, um gegen die sogenannte "Südwestkuppelleitung" zu kämpfen. Auf dem Podium begrüßte Fraktionsvorsitzende Margarete Bause, die das Fachgespräch moderierte, Wilfried Fischer von "50 Hertz", dem Netzbetreiber in den neuen Bundesländern (früher Vattenfall Transmission Europe GmbH) und Prof. Dr. Lorenz Jarass, der im Auftrag der vom Trassenverlauf der "Südwestkuppelleitung" betroffenen Gemeinden und BürgerInnen ein "Gegengutachten" geschrieben hat.

 

Zu Beginn der Diskussion umriss Rudi Amannsberger, Referent für Energiepolitik der bayerischen Grünen, die Sachverhalte zum Thema "Netzausbau" aus grüner Sicht. Ohne Netzausbau sei die Integration erneuerbarer Energien und die Energiewende nicht zu schaffen. Vor dem Netzausbau müssen aber alle Anstrengungen unternommen werden, um Effizienzsteigerungen bei der Energienutzung zu erreichen, das Stromnetz müsse "intelligenter" werden (Stichwort "Smart Grids"), ein effektives Lastmanagement müsse etabliert werden und Hybrid- bzw. Kombikraftwerke müssten ebenso mit einbezogen werden wie Stromspeichertechnologien. Mit dem Kürzel " Nova " sei auch die Reihenfolge der Schritte klar: " N etz o ptimieren, v erstärken, a usbauen." Man müsse auch über neue Techniken der Stromübertragung nachdenken und käme am Thema Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) nicht vorbei.

 

Wilfried Fischer von 50Hertz Transmission GmbH unterstrich die Bedeutung der "Südwestkuppelleitung", die zur besseren Integration erneuerbarer Energien ins Stromnetz notwendig sei. Seit der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland 1990 sei die Zahl der Kuppelleitungen nicht angestiegen: es gebe nach wie vor nur drei Kuppelleitungen mit einer Leistung von zusammen 5.000 Megawatt. In den neuen Bundesländern ist ein enormer Zubau bei Anlagen erfolgt, die aus Wind und Sonne Strom erzeugen; Strom, der dort nicht verbraucht wird und in andere Regionen abfließen muss. Jeden 2. Tag müsse "50 Hertz" Maßnahmen ergreifen, um die Netzstabilität sicher zu stellen. Deshalb das Fazit von Wilfried Fischer: "Wir brauchen eine signifikante Steigerung der Transportkapazität!" Im übrigen folge "50 Hertz" bei den Planungen zur "Südwestkuppelleitung" den Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes und des Energieleitungsausbaugesetzes.

 

Prof. Dr. Lorenz Jarass kritisierte in seinem Vortrag die mit der DENA-Studie begründete überdimensionierte Forderung nach einem Netzausbau und pochte auf die "wirtschaftliche Zumutbarkeit" bei der Integration erneuerbarer Energien ins deutsche Stromnetz. Er erinnerte daran, dass der Grundsatz "Netzoptimierung und Netzverstärkung vor Neubau" auch so im Energieleitungsausbaugesetz stünde - ein Grundsatz, den er bei den laufenden Planungen nicht genug berücksichtigt sehe. Für Außenstehende sei das deutsche Stromnetz nach wie vor eine "Black Box". Jarass: "Was wir überhaupt nicht wissen, ist die tatsächliche Belastung der Stromnetze!" Er machte auch auf einen anderen Umstand aufmerksam: dass im Energiewirtschaftsgesetz die Privilegierung von Strom aus erneuerbaren Energien bei der letzten Novellierung gekippt wurde. Das bedeute, dass das deutsche Stromnetz jetzt so ausgelegt werden muss, dass selbst bei Windspitzen Atom- und Kohlekraftwerke ungestört weiter laufen und diesen Strom ins Stromnetz einspeisen können. Daneben werde das Stromnetz auch für den europaweiten Stromhandel genutzt. Die ungeheuren Kosten für diese überdimensionierte Strom-Infrastruktur würden jetzt auf die Stromverbraucher abgewälzt.

 

Anette Martin sprach im Namen der Bürgerinitiativen. Sie kritisierte die nicht vorhandene Transparenz von Seiten der Energiekonzerne und Netzbetreiber und die massive Einschränkung von Bürgerrechten durch das Energieleitungsausbaugesetz, das zudem den Planern der "Südwestkuppelleitung" die fachliche Begründung für das Projekt erspare. Dass diese Leitung tatsächlich hauptsächlich für Windstrom gebraucht wird, sei bis zum heutigen Tag nicht glaubhaft belegt worden.

 

Als Gast war auch Prof. Dr. Michael Rossner von der Hochschule Coburg, Fachbereich Elektrotechnik, eingeladen, der als Fachmann auf einige technische Probleme aufmerksam machte. Höhere Temperatur in den Höchstspannungsleitungen bedeute nicht nur eine größere Übertragungsleistung, sondern auch höhere Netzverluste. Und eine Verdoppelung der Windgeschwindigkeit bedeute eine Verdreifachung der Stromproduktion in den Windenergieanlagen. Eine notwendige Drosselung aufgrund nicht vorhandener Netzleistungen täte den Windmüllern dann richtig weh.

 

Im Plenum und im Podium wurde anschließend rege diskutiert: über die Seriosität der DENA-Studien, darüber, ob Vögel die bis zu 150 Grad Celsius heißen Hochtemperaturseile von Höchstspannungsleitungen als Gefahr erkennen und sich nicht darauf setzen, ob man mit dem Hinweis auf  Gesundheitsrisiken und -gefahren den Bau von Höchstspannungsleitungen verhindern kann, warum beim Bau der ICE-Trasse nicht gleich ein Kabelschacht mit einem Erdkabel integriert wird, um landschaftsschonend die Kuppelleitung über den Rennsteig und das Coburger Land zu bringen.

 

Eines machte Margarete Bause zum Abschluss des Fachgesprächs deutlich: die Grünen sind sich bewusst, dass die Energiewende und die Integration erneuerbarer Energien ohne Anpassung des Stromnetzes nicht zu schaffen ist und dass auch Eingriffe in Natur und Landschaft nicht zu vermeiden sind. Wichtig sei den Grünen aber, solche Eingriffe auf ein notwendiges Maß zu begrenzen, diese möglichst schonend durchzuführen und im Dialog mit den betroffenen Menschen vor Ort nach der besten Lösung zu suchen.

 

Das von der grünen Landtagsfraktion in Coburg erarbeitete Positionspapier zum Thema "Netzausbau" ist im Internet eingestellt:

Den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben

 

Landtagsgrüne in Coburg 1

Grünes Fachgespräch im großen Saal des Pfarrzentrums St. Augustin, Coburg

 

Landtagsgrüne in Coburg 2

Das Podium beim Fachgespräch "Netzausbau". Ganz links Thomas Mütze, Fraktionsvorsitzender

 

Landtagsgrüne in Coburg 3

Ulrike Gote, Margarete Bause, Wilfried Fischer und Prof. Dr. Lorenz Jarass

 

 

Landtagsgrüne in Coburg 4

Prof. Dr. Michael Rossner und Anette Martin von "Achtung Hochspannung" im Gespräch

 

Landtagsgrüne in Coburg 5

Das Ziel ist klar: 100 Prozent erneuerbare Energien statt Atomrisiko und Klimakollaps

 

Wolfgang Weiß

21.01.2011

 

 

 

 

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