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Der Arbeitskreis Forstpolitik in Ebrach

Ebrach Quadrat

Gegenwärtig heftig diskutiert wird die Überlegung, auf einer Fläche von ca. 11.000 Hektar einen Nationalpark Steigerwald in den Wäldern um Ebrach zu schaffen. Der Arbeitskreis Forstpolitik von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Bayern war dort, um sich aus erster Hand zum Thema zu informieren.

 

Der Arbeitskreis Forstpolitik, der zum Landesarbeitskreis Ökologie der bayerischen Grünen gehört und von Bernd Lauterbach aus der Taufe gehoben wurde, traf sich bei schönstem Frühlingswetter am 24. April in Ebrach mit Petra Diener, Revierleiterin des Forstbetriebs, um sich aus erster Hand über die Bewirtschaftung der Wälder und das dort praktizierte Naturschutzkonzept zu unterhalten. Petra nahm sich einige Stunden an diesem Samstag Zeit, um die Gäste durch die Wälder zu führen und über Forstwirtschaft und Naturschutz zu diskutieren.

 

Der Forstbetrieb Ebrach des Unternehmens Bayerische Staatsforsten entstand nach der "Forstreform" 2005 aus den Staatswaldflächen des früheren Forstamtes, dem noch Teile der früheren Forstämter Burgebrach, Eltmann und Gerolzhofen zugeordnet wurden. Bekannt wurde das Forstamt Ebrach durch das Wirken von Dr. Georg Sperber, der von 1972 bis 1998 das Amt leitete und sowohl bei der Regulierung der Wildbestände auf ein waldverträgliches Maß, wie auch bei der Integration des Naturschutzgedankens in der Bewirtschaftung der Wälder Maßstäbe setzte - und damit zahlreiche Widerstände bei verschiedenen Interessengruppen auslöste.

 

Rund 17.000 Hektar Staatswald werden vom Forstbetrieb Ebrach betreut. Der Großteil davon setzt sich aus artenreichen Buchenwäldern zusammen. Ziel des Forstbetriebs ist es, die Biodiversität in diesen Wäldern durch eine hohe ökologische Sensibilität bei der Holznutzung zu sichern. So sind nicht nur mehr als 430 Hektar aus der forstwirtschaftlichen Nutzung heraus genommen (Naturwaldreservate). Es wird auch eine Struktur von ökologisch wirksamen "Trittsteinen" mit 600 Hektar Gesamtfläche aufgebaut, die es verschiedenen Tier- und Pflanzenarten erlauben soll, auch im Wirtschaftswald Fuß zu fassen und sich auszubreiten. Damit sind insgesamt 6 Prozent der Forstbetriebsfläche geschützt. In naturnahen Wäldern über 100 Jahren, die auf einer Fläche von ca. 3.500 Hektar vorhanden sind, wird die Nutzung extensiviert, d.h. Methusalembuchen über 80 cm Stammdurchmesser und Methusalemeichen über 100 cm Stammdurchmesser werden nicht genutzt. In den wirtschaftlich genutzten Wäldern bleiben Biotopbäume stehen, die durch eine farbige, wellenförmige Linie gekennzeichnet werden. Der Forstbetrieb Ebrach sieht mindestens 10 Biotopbäume je Hektar vor.  "Schutz trotz Nutzung - Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb Ebrach" heißt das Papier, das die Grundsätze der gegenwärtigen Bewirtschaftung des Staatswaldes in Ebrach zusammen fasst und erläutert.

 

Dass Forstwirtschaft und Naturschutz kein Gegensatz sein müssen, wird in Ebrach erfolgreich demonstriert. So zeigte Petra Diener den Interessierten den selten gewordenen Schwarzkäfer, der alte, verrottete Fruchtkörper des Buchenzunderschwamms braucht, um sich vermehren zu können. Dieser Pilz kann nur an absterbenden und toten Buchen gedeihen, die als stehendes und liegendes Totholz gerade in den alten Baumbeständen anzutreffen sind. Auch eine Strategie im Forstbetrieb Ebrach: "Deutliche Anhebung der Totholzvorräte (mindestens 20 Festmeter je Hektar; in Beständen über 140 Jahre 40 Festmeter je Hektar)."

 

Was Buchenwälder leisten können, wurde in der Abteilung Kleinengelein deutlich: dort stehen Baumriesen, die über 1.000 Kubikmeter Holz je Hektar zusammen bringen; ein Kohlenstoffspeicher par excellence. Einige der Bäume wuchsen schon dort, als in Mitteleuropa der 30-jährige Krieg tobte. Die Überlegungen zu einen Nationalpark Steigerwald beziehen sich auf solche Bestände und konzentrieren sich auf die Staatswaldflächen um Ebrach. Es wäre der dritte Nationalpark in Bayern und der erste im fränkischen Nordbayern, zwischen den Zentren Würzburg und Nürnberg gelegen. Die wichtigste Baumart in diesem neuen Nationalpark wäre die Rotbuche, die bis zum Beginn der Umwandlung von Natur- in Wirtschaftswälder in Deutschland eine zentrale Rolle spielte und hinsichtlich des Klimawandels eine größere Anpassungsfähigkeit aufweist als die Fichte, die mit 44 Prozent Anteil immer noch die häufigste Baumart in Bayerns Wäldern ist.

 

Die nächste Frage, mit der sich der Arbeitskreis Forstpolitik auseinander setzen muss, ist: Welchen zusätzlichen "Gewinn" hat man durch die Ausweisung eines Nationalparks Steigerwald im Vergleich zu dem Nutz- und Schutzkonzept, das gegenwärtig im Forstbetrieb Ebrach angewendet wird? Diese Frage wird man nur in der Diskussion mit Ökologen und Fachleuten zu Buchenwäldern beantworten können.

 

Weitere Informationen zur Nationalparkidee gibt es unter

http://www.artenschutz-steigerwald.de/pageID_4418798.html

Und einen Teil der Diskussion kann man nachlesen unter

http://www.artenschutz-steigerwald.de/pageID_6096389.html

 

Ebrach 1

Der Arbeitskreis Forstpolitik zu Gast in Ebrach

 

Ebrach 2

Gespräch mit Revierleiterin Petra Diener

 

Ebrach 3

Buchentotholz mit den Fruchtkörpern des Zunderschwamms

 

Ebrach 4

Schwarzkäfer im Mulch des Zunderschwamms

 

Ebrach 5

Auch eine riesige Buche hat einmal als kleiner Sämling angefangen

 

Ebrach 6

Der Buchenbestand in der Abteilung Kleinengelein

 

Ebrach 7

Wolfgang Weiß an einem der Baumriesen in der Abtl. Kleinengelein

 

Ebrach 8

Wolfgang Weiß, H. Schmittnägel, Bernd Lauterbach, Revierleiterin Petra Diener, Oliver Kröner

 

Wolfgang Weiß

26.04.2010

 

 

 

 

 

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