Login

Login




Passwort vergessen?
.

 

Mitmachen und Mitglied werden

 


 

Atomausstieg selber machen

 


 

Grüne Emanzipatorische Linke

 

Grüne - Linke

Sozial, ökologisch, basisdemokratisch, gewaltfrei

 


 

Datenschutz ist Bürgerrecht

 

Überwachungsstaat

verhindern -

Datenschutz ist Bürgerrecht

 

.

ZEHN Bücher zu Geschichte

Grafik 10 100x100

"Nur wenn wir wissen, woher wir kommen, werden wir erfahren, wohin wir gehen!" Wer hat das gesagt? Laotse? Goethe? Mein Frisör? Egal. Auf jeden Fall hat mich Geschichte schon immer interessiert. In der Schule. Und danach. Hier einige Bücher zum Thema, und ich habe den Begriff Geschichte bewusst sehr weit gefasst.

 

Ein Menschenleben ist recht kurz und überschaubar. Im Gegensatz zur Menschheitsgeschichte. Oder der Geschichte unseres Planeten, unseres Sonnensystems, unseres Universums. Ich glaube: wer sich für Geschichte interessiert, hat die Begrenztheit der eigenen Existenz begriffen und versucht, die Lebenszeit zu nutzen für einen intensiven Blick in die Zeit, in der er/sie noch nicht war, aber auch für einen Blick in die Zukunft, in der er/sie dann selbst "Geschichte" ist.

 

Ich möchte hier zehn Bücher aus meiner Sammlung unter dem großen Thema "Geschichte" kurz vorstellen. Diese Bücher werden zum Teil der klassischen Geschichtswissenschaft zugeordnet, es sind aber auch "Ausreißer" dabei, zum Beispiel aus der Physik, den Religionswissenschaften oder der "Futurologie", wie Stanislaw Lem seine Wissenschaft vom Blick in die Zukunft benannte. Geschichte wird besonders dann lebendig, wenn Menschen sie erlebt haben und davon schreiben. Deshalb sind auch Alexander Solschenizyn und von Roméo Dallaire als Autoren dabei.

 

Geschichte Eine kurze Geschichte der Zeit

Stephen W. Hawking ist wohl der bekannteste Körperbehinderte. Gefesselt an einen Rollstuhl, mit einem Schreibcomputer mit der Außenwelt kommunizierend, und einer der intelligentesten Menschen unseres Planeten! In  seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" erzählt von Hawking zuerst von der Geschichte, wie die Wissenschaftler (und Theologen, und Philosophen) unseren Planeten Erde im Universum sahen: Aristoteles, Ptolemäus, Kopernikus, Galilei, Kepler, Newton, Augustinus, Kant. Dem Teil kann ich noch halbwegs folgen. Den Erkenntnissen von Hubble, Einstein, Heisenberg, Oppenheimer und Hawking selbst folgen zu wollen wird dann schon schwieriger. Und besonders kompliziert wird es bei den Überlegungen zu Raumzeit, Schwarzen Löchern, Supergravitation und der Vorstellung, dass ein Teilchen nicht ein Punkt in einem Raum, sondern eine Linie oder gar eine Röhre einnimmt (Stringtheorie). Selbst bei Hawking bleiben noch viele Fragen offen.

 

Geschichte Im Anfang war der Wasserstoff

Professor Hoimar von Ditfurth (der Vater von Jutta Ditfurth, die eine Weile bei den Grünen engagiert war) schrieb mit "Im Anfang war der Wasserstoff" ein Buch, das ich mir als Schulbuch wünsche: weil es Spaß weckt, die Geschichte des Lebens zu entdecken, Zusammenhänge zu erkennen, den Blick auf das große Ganze zu lenken, das sich aus all den vielen, kleinen Teilen und Bausteinen des Lebens ergibt. Erschienen ist es 1972. Die Taschenbuchausgabe habe ich 1979 gekauft. Gelesen habe ich es relativ spät, erst 1988. Und mit folgendem Vermerk versehen: "Das ist das Schöne an Büchern: einmal gekauft laufen sie nicht weg und warten, bis sie gelesen werden. Wie dieses Buch hier. - Ich entdecke einige Parallelen zu Gedanken von Stanislaw Lem in 'Summa technologiae', z.B. dass schon in den Atomen der 'Drang' enthalten ist, sich zu organisieren (Atome > Moleküle > DNS > Leben >>>)"

 

Geschichte Der Ursprung des Menschen

Vor ca. 1,5 Millionen Jahren kam am Turkana-See in Ostafrika ein noch nicht erwachsener männlicher Hominide ums Leben. Ausgehend von diesem "Turkana-Jungen", wie Richard Leakey das gut erhaltene Skelett nennt, erzählen er und Roger Lewin die Geschichte der "Menschwerdung". Beide Autoren interessiert, was zusammenkommen musste, um die spezifische Qualität des Menschen entstehen zu lassen: aufrechter Gang, Werkzeuggebrauch, die Fähigkeit zu sprachlicher Verständigung. Aber auch Gruppensolidarität, Vergangenheits- und Zukunftsschau, symbolische Kommunikation, Religiosität, Todeskenntnis und Gedanken über ein "Jenseits" der Realität. "Je mehr wir unsere Vergangenheit kennenlernen und je mehr unsere Verbundenheit mit der Natur offenbar wird, desto mehr müssen wir uns als Teil der Natur sehen und nicht als von ihr getrennt.", heißt es in diesem spannend und lebendig geschriebenen Buch.

 

 

Geschichte Die Masken Gottes

Joseph Campbell, geboren 1904 in New York, gestorben 1987, setzte sich leidenschaftlich mit mythologischen Überlieferungen und Religionsgeschichte auseinander. Sein Hauptwerk ist die vierbändige Reihe "Die Masken Gottes". Nach "Die Mythologie der Urvölker", "Die Mythologie des Ostens" und "Die Mythologie des Westens" ist dieser Band, "Schöpferische Mythologie" der abschließende Band, der sich mit der inneren Geschichte der Kultur der Neuzeit auseinander setzt. Die Buchbeschreibung fasst es schön zusammen: "Der Horizont der traditionellen Mythen war durch die eigene Kultur vorgegeben, die den Einzelnen als Mitglied seiner Gemeinschaft von allen außerhalb seiner Kultur stehenden Menschen abgegrenzt hat. Seit dem Mittelalter weicht dieser begrenzte Horizont zusehends einer Offenheit gegenüber der Welt als ganzer. Schöpferische Mythologie erläutert die Elemente, die den Menschen eine Orientierung in dieser 'neuen' Welt ermöglichen." Wer sich für die Suche des Menschen nach sich selbst und nach seiner Position im Leben, wer sich für die Suche des Menschen nach einer transzendenten Wahrheit interessiert, sollte diese vier Bücher von Joseph Campbell lesen.

 

Geschichte Über den Prozess der Zivilisation

Norbert Elias war Soziologe. Aber Soziologie ist zu einem guten Teil auch Geschichtswissenschaft. Vor allem dann, wie in diesen zwei Bänden "Über den Prozess der Zivilisation", wenn Norbert Elias die langfristigen Tranformationen der Gesellschafts- und Persönlichkeitsstrukturen im Abendland untersucht. Er blickt akribisch auf die Wandlungen des Verhaltens in den weltlichen Oberschichten des Abendlandes. Aus dem geänderten Verhalten wird eine andere Haltung, ein anderes Denken. Und das Denken der Oberschichten des Abendlandes prägt schließlich die gesamte Kultur. Eine spannende Geschichte, die klar macht, dass selbst die Benutzung von Servietten beim Essen am Tisch oder das Peinlichkeitsempfinden beim Wahrnehmen bestimmter Dinge nicht vom Himmel gefallen sind, sondern sich entwickelten, ihre Geschichte haben.

 

Geschichte Sternstunden der Menschheit

 "Sternstunden der Menschheit" beinhaltet 12 historische Miniaturen, von denen die ersten fünf 1929 erschienen sind. Ich lernte Stefan Zweig durch meinen Geschichtslehrer an der Realschule kennen, als er, die letzte Woche vor den großen Ferien nutzend, seiner Klasse "Die Weltminute von Waterloo" vorlas und wir durch Stefan Zweig geradezu teilnahmen an Napoleons letzter Schlacht 1815 und der bangen Frage: werden die Preußen unter Blücher als erste auf dem Schlachtfeld sein oder der Teil der französischen Armee unter Marschall Grouchy, der losgeschickt wurden, um die preußische Armee an der Vereinigung mit Wellingtons Truppen zu hindern? Napoleon verlor die Schlacht, weil sein Marschall sich sklavisch an den erteilten Auftrag hielt und das Geschützfeuer in der Ferne ignorierte, sich nicht zu einer Rückkehr entschied und weiter die preußische Armee jagte, die längst das Schlachtfeld erreicht hatte und Wellington den Sieg sicherte. Stefan Zweig sieht aber auch andere Höhepunkte der Geschichte: Goethes Marienbader Elegie, eine Gedichtsammlung, entstanden im Liebeskummer, weil er, der Vierundsiebzigjährige, sich in eine Neunzehnjährige verliebt hatte und diese Liebe nicht erhört wurde. Oder die Entstehung der Marseillaise. Oder die Begnadigung Dostojewskis auf der Hinrichtungsstätte.

 

Geschichte Der Archipel GULAG

 Im vergangenen Jahr ist er gestorben: Alexander Solschenizyn. Aber ihm, dem ehemaligen GULAG-Häftling, sind im Gegensatz zu vielen seiner Mithäftlinge viele, viele Lebensjahre geschenkt worden, um über die Verbrechen in den stalinistischen Zwangsarbeiterlagern zu schreiben, die Grausamkeit und die Methode der physischen und psychischen Zerstörung von Menschen aufzuzeichnen, die Täter zu benennen, den Opfern Namen und Würde zu geben und mit seinem dreibändigen Werk ein wichtiges Stück Weltliteratur zu schaffen. Im "Archipel GULAG" finden sich nicht nur Zeugnisse von Niedertracht und menschlicher Rohheit. Solschenizyn schreibt auch über Beispiele von menschlicher Größe, die Lagerinsassen zeigten, den sicheren Tod vor Augen. - Ich verstehe die Organisatoren einer Demo gegen Rechts, die sich weigern, eine Sowjetfahne im Protestzug zu dulden!

 

Geschichte Joachim C. Fest Hitler

 Es ist ein Witz: da kaufe ich 2004 ein Buch mit 1154 Seiten auf dem modernen Antiquariat für 5 Euro, eben dieses "Hitler - Eine Biographie" von Joachim C. Fest, und nachdem ich es gelesen hatte, war mir klar, dass ich mit diesem Buch einen Schatz geborgen hatte! Für 5 Euro! Wer das 20. Jahrhundert besser verstehen will, die Rolle Deutschlands vor Beginn des 1. Weltkriegs, die Folgen des verlorenen Krieges für das Deutsche Reich und den Aufstieg Adolf Hitlers vom einfachen Soldaten zum Anführer der Nationalsozialisten, der dann den 2. Weltkrieg lostrat, um Deutschland als Großmacht zu etablieren und damit den Untergang des Nationalsozialismus besiegelte, muss diese Hitler-Biographie lesen, die - ich habe es mit einem langen Satz auszudrücken versucht - mehr ist als eine Biographie. Karl Dietrich Bracher schrieb es in seiner Buchbesprechung 1973 in der Wochenzeitung DIE ZEIT besser: "Es ist ein bedeutender Beitrag nicht nur zur Geschichte unseres Jahrhunderts und zur Frage nach der Rolle der 'großen' Personen, sondern auch zur aktuellen Diskussion über das Politik- und Demokratieverständnis, das zumal in Deutschland ohne die tiefgreifende Erfahrung des Phänomens Hitler und seiner Konsequenzen nicht denkbar ist."

 

Geschichte Handschlag mit dem Teufel

 Mit Roméo Dallaire tauchen wir in ein jüngeres Stück Geschichte ein. In "Handschlag mit dem Teufel" beschreibt der kanadische General, wie er 1994 als Kommandant der UN-Mission UNAMIR die Umsetzung des Friedensabkommens zwischen der von Hutus dominierten ruandischen Regierung und der von Tutsis dominierten Rebellenarmee RPF überwachen sollte, mit einer bunt zusammengewürfelten und schlecht ausgerüsteten Truppe von UN-Soldaten. Die Zeichen standen auf Sturm, aber das UN-Hauptquartier ignorierte die Warnungen ihres Generals in Ruandas Hauptstadt Kigali. Der Abschuss des Präsidentenflugzeugs am 6. April 1994 war der Beginn eines Völkermordes ungeheuren Ausmaßes. Nachdem Präsident Habyarimana, der das Friedensabkommen mit der RPF unterschrieben hatte, ums Leben gekommen war, waren Tutsis und moderate Hutus die nächsten Opfer militanter Hutus. Binnen hundert Tagen wurden, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, fast eine Million Ruander umgebracht. General Dallaire verweigerte den Befehl zum Rückzug und versuchte mit seinen wenigen Männern zu retten, was zu retten war. Ein schier aussichtsloses Unterfangen. Erst der Sieg der Rebellenarmee RPF und das Eingreifen französischer Truppen (die den Rückzug der Völkermörder nach Kongo deckten) beendete den blutigen Krieg. Mit einigen tausend Soldaten und einem Mandat, das ihm die Erlaubnis der Entwaffnung von Milizen und Armeeeinheiten gegeben hätte, so Dallaire, hätte er den Völkermord verhindern können. Doch das ist nicht geschehen. Deshalb trägt sein Buch auch die Überschrift: "Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda".

 

Geschichte Summa technologiae

Der polnische Wissenschaftler und Autor Stanislaw Lem schrieb "Summa technologiae" 1964. Erst 1976 erschien sein Werk in Westdeutschland. Die Taschenbuchausgabe kam 1981 bei Suhrkamp heraus. Ein langer, zäher Weg bis in mein Bücherregal (1987). Mit diesem Buch versucht Lem einen systematischen Blick in die menschliche Zukunft, oder besser: in mögliche menschliche Zukünfte. Und er orientiert sich dabei an die Gesetzmäßigkeiten von Entwicklungen, wie sie die Evolution des Lebens aufzeigt. Einige Zitate aus dem Buch:

"Die wichtigste Lehre ist die, welche man der Evolution insgesamt entnehmen kann. Es geht also nicht darum, ihr die konstruktiven Erkenntnisse, sondern das Verfahren abzuschauen, nach dem sie diese Erkenntnisse gesammelt hat."

"Zahlen muss man für die Befreiung aus der Klemme (beispielsweise dafür, dass die Menschen sich mit Hilfe des Atoms von den begrenzten Erdöl. und Kohlevorräten unabhängig macht) immer; dabei sind Höhe und Fälligkeitstermin dieser Zahlung wie auch die Formen ihrer Eintreibung meistens eine Überraschung."

"Ein neues biologisches oder technisches Konstruktionsprinzip ruft anfangs eher Mitleid als Enthusiasmus hervor."

"Mit der Entwicklung der Technologie wächst die Komplexität der Regelungsprozesse, so dass man schließlich, um ihrer Herr zu werden, Regler einsetzen muss, die eine größere Mannigfaltigkeit aufweisen als das menschliche Gehirn. Dieses Problem ist nicht an bestimmte Gesellschaftssysteme geknüpft, denn die Notwendigkeit der Regelung macht sich in Ländern mit unterschiedlicher Gesellschaftsverfassung bemerkbar, sofern sie sich nur auf einem genügend hohen Niveau der Technoevolution befinden."

"Der Mensch kann nicht die Welt verändern, ohne sich selbst zu verändern. Es ist möglich, einen Weg zu beschreiten und so zu tun, als wisse man nicht, wohin er führt. Doch ist das nicht die beste aller möglichen Strategien."

 

   Portrait Wolfgang  Wolfgang Weiß

 

 

 

Dieser Artikel wurde bereits 13487 mal angesehen.



.