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Stadtratsbeschluss zur Rehabilitierung von Max Brose?

Am 26.03.2015 soll der Coburger Stadtrat über den Tagesordnungspunkt „Rehabilitierung Max Brose; Stadtratsbeschluss zur Umbenennung der Von-Schultes-Straße in Max-Brose-Straße aus dem Jahr 2004“ entscheiden. Diese Beschlussvorlage ist für Interessierte bis jetzt leider nicht einsehbar. Wie so vieles der letzten Wochen.

 

Zunächst ein Blick zurück: Nach den vielen Artikeln und Leserbriefen aus der örtlichen Presse und der kritischen Berichterstattung der überörtlichen Presse sieht der Vorgang so aus: Der Unternehmer Max Brose, der während der NS-Zeit Wehrwirtschaftsführer war, Zwangarbeiter beschäftigte und Rüstungsgüter herstellte sollte 2004 mit einem Straßennamen geehrt werden. Der Stadtrat stimmte dagegen.

Seitdem ist das Klima zwischen dem Enkel Michael Stoschek und der Stadtspitze vergiftet gewesen, seit ein paar Wochen wird aber versucht, sich auszusöhnen – Herr Stoschek „kämpft“ um die Ehre seines Großvaters, über die Motive der Stadt kann man spekulieren. Es gehe heute nicht um die Vergabe des Straßennamens sondern „nur“ um die Rehabilitierung eines Mannes, der durch seine Funktion als Wehrwirtschaftsführer ein bedeutender Teil des NS-Regimes war, ist aktuell zu lesen. Für Herrn Stoschek habe sein Großvater damals gar keine andere Möglichkeit gehabt, NSDAP-Mitglied zu werden, andernfalls hätte er seinem Unternehmen oder sich selbst und seiner Familie Schaden zugefügt.


Die Umbenennung fänden LINKE und CSU-Stadträte gleichermaßen angemessen als Dank für den Aufbau eines milliardenschweren Unternehmens, das schon lange eine große Bedeutung für die Stadt hat. Ein Mitglied der ehemaligen JC-Fraktion ist ebenso für die Rehabilitierung. Bei der SPD scheint die Stimmung durchwachsen zu sein, von den anderen hört man wenig bis gar nichts.

Das Thema kochte vor Wochen hoch, als ein Leserbriefschreiber massiv Kritik an jeglicher Überlegung übte, Max Brose die Ehre zu erweisen, indem man ihm einen Straßennamen gebe. Es war die einzige öffentliche Stimme, die Kritik übte, und das über mehrere Wochen, er schaltete den Zentralrat der Juden in Deutschland ein und wurde dafür von Teilen der örtlichen Presse kritisiert, da man so den sich anbahnenden „Frieden“ in der Stadt verhindere. Auch ein CSU-Stadtrat kritisierte ihn heftig und verbat sich zugleich „Belehrungen“ des Zentralrats der Juden zu diesem Thema. Es solle öffentlich nicht weiter diskutiert werden, das würde die Annäherung zwischen Herrn Stoschek und Stadt wieder zerstören, der Leserbriefschreiber würde dem Ansehen Coburgs in der Öffentlichkeit schaden.

Nach einem Gespräch zwischen OB, Herrn Stoschek und dem Zentralrat der Juden in Deutschland gab es eine Pressekonferenz, auf der der oben genannte Beschlussvorschlag beschrieben wurde und Herr Stoschek sagte, er wäre genau wie sein Großvater in die NSDAP eingetreten. Es wurde noch einmal klargestellt, dass es aktuell nicht um die Umbenennung einer Straße ginge sondern um die Rehabilitation Max Broses. Der Beschlussvorschlag sähe vor, dass der Stadtrat 2015 rückwirkend erklären würde, dass der Stadtrat 2004 sich nicht ordentlich vorbereitet hätte.


Der Druck in Coburg muss momentan enorm sein. Mehrfach liest man von nicht-öffentlichen Treffen von Fraktionsvorsitzenden, dann mit Herrn Stoschek, einem nicht-öffentlichem Schreiben des Zentralrats der Juden, der sich gegen Überlegungen ausspricht, den Straßennamen zu ändern oder dem vertraulichen Gespräch des OB und Herrn Stoschek beim Zentralrat der Juden. Laut BR übte dieser erst am Samstag vor der Abstimmung im Stadtrat wieder Kritik, da in der Pressekonferenz der Eindruck entstanden sei, Herr Stoschek habe Max Brose mit Oskar Schindler verglichen, was Herr Stoschek aber dementierte.
Aus der Politik haben sich bisher nur die Rehabilitationsbefürworter von LINKE, CSU und Teilen der SPD zu Wort gemeldet. Kritiker/innen haben sich nicht aus der Deckung gewagt. Auffällig ist auch, dass sich kein einziger Coburger Historiker zu Wort gemeldet hat.

Auf der anderen Seite gibt es Kritik von der überregionalen Presse. In Coburg selbst gibt es scheinbar nur einen Leserbriefschreiber, auf den nur Rehabilitationsbefürworter öffentlich einprügeln, weil er von seinem Recht gebraucht macht, seine Meinung nicht nur zu haben, sondern sie auch öffentlich zu sagen – was man Demokratie nennt. Ansonsten hört man nur hinter vorgehaltener Hand und in anonymen Online-Kommentaren in der örtlichen, offeneren in der überregionalen Presse, kritische Stimmen. Und das sind – zu Recht – viele.

 

Es wird interessant zu sehen sein, wieviele der Stadträtinnen und Stadträte sich in der kommenden Sitzung selbst rückwirkend als dumm bezeichnen müssen, da sie 2004 nicht für die Umbenennung gestimmt zu haben. Und auch noch ihre Vorgänger so hinstellen werden müssen, auch wenn diese zum Teil bereits gestorben sind. Wahrscheinlich lässt sich aber ein Bauernopfer aus der Verwaltung finden, das den Stadträtinnen und Stadträten damals angeblich schlecht vorgelegt hatte.
Nein - es bleibt zu hoffen, dass es noch einige Aufrechte gibt, die keinen Deckel über diesen bedeutenden Teil der Nazizeit in Coburg stülpen wollen und die zu ihrer damaligen Entscheidung auch heute noch stehen.

 

Nein, es muss und darf nicht jemand rehabilitiert werden, der während der NS-Zeit Wehrwirtschaftsführer war, Zwangarbeiter beschäftigte und Rüstungsgüter herstellte!


Auch durch ständiges Wiederholen wird es nicht wahr, dass Hitler alleine alle anderen Deutschen vergewaltigt hat, Teil des Systems zu werden, egal, ob Unternehmer oder nicht!

 

Genau das darf man niemals vergessen. Und niemals verschweigen.


Schön wäre dagegen gewesen, wenn Coburger Historiker aus den Archiven, die es nicht nur hier gibt, berichtet hätten. Die wissenschaftliche Aufklärung v.a. über das regionale Nazi-System wäre genau deren Aufgabe gewesen. Aber es herrscht Schweigen.
Schön wäre auch, dass alles nicht nur heimlich ablaufen würde – für Transparenz sind alle, wenn es sich gut anhört. Wenn es für manche unangenehm wird, wird sich aber in die Nichtöffentlichkeit geflüchtet.
Abschließend bleibt zu hoffen, dass die Stadtratsmitglieder zu ihrer Meinung stehen, auch wenn diese kritisch sein sollte. Und das trotz des zentnerweisen Drucks, der wohl auf Ihnen liegt.

 

 

Roman Kollar

21.03.2015

 

 

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