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Landwirtschaft: Die Grünen auf dem Hessenhof

Hessenhof Teaser

Die Vorsitzende des Kreisverbandes Coburg-Land von Bündnis 90/Die Grünen, Gabriele Jahn, organisierte eine Führung auf dem Hessenhof, einem landwirtschaftlichen Unternehmen in Meeder-Großwalbur, das zwischen konventioneller Landwirtschaft und biologisch wirtschaftendem Betrieb steht. Detlef Heß und Mandy Hecht erklärten die Zusammenhänge.

 

Es war ein recht guter Anlass für die Grünen in Coburg-Stadt und -Land und für die Grünen aus Kronach, mal wieder zusammen zu kommen: Gerne folgten am vergangenen Donnerstag fünfzehn Personen der Einladung von Detlef Heß, den Hessenhof in Meeder-Großwalbur zu besuchen. Organisiert wurde die Führung auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Gabriele Jahn, Vorsitzende des Kreisverbandes Coburg-Land von Bündnis 90/Die Grünen. Zusammen mit seiner Partnerin Mandy Hecht war Detlef Heß knapp zwei Stunden mit den Besuchern auf dem Betrieb unterwegs, um zu zeigen und zu erklären, wie hier Eier produziert werden, die Mast bei Schweinen und Rindern läuft und aus Biomasse Energie erzeugt wird.

 

Gleich am Anfang machte Detlef Heß darauf aufmerksam, dass der Hessenhof kein ausgewiesener Biobetrieb ist. Er wollte sich nicht durch Vorgaben der Biolandwirtschaft einengen, sehr wohl praktiziere er aber vieles nach biologischen Gesichtspunkten. Und aus der konventionellen Landwirtschaft habe er die Vermarktung übernommen, die weitgehend die regionalen Märkte bediene. „Wie alle anderen Betriebe muss auch ich den Spagat schaffen zwischen einer vernünftigen Landwirtschaft und der momentanen Erlössituation, die von immer niedrigeren Preisen für  landwirtschaftliche Produkte diktiert wird."  Am meisten werde im Handel verdient, bei der Produktion, sprich: bei den Bauern komme am wenigsten an. Die müssten aber steigende Preise für Energie, Treibstoffe, Saatgut und Futter auffangen. Manche Betriebe begegnen dieser Entwicklung mit Massenproduktion und „industrieller Landwirtschaft". Doch für Detlef Heß gibt es Grenzen: „Der Respekt gegenüber der lebenden Kreatur und der Natur muss gewahrt bleiben!" Auch als Groß-Landwirt fühlt er sich bäuerlichen Traditionen und dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtet. Er will möglichst geschlossene Stoff-Kreisläufe, in Systemen, die sich selbst erneuern und erhalten, zum Nutzen von Mensch und Natur.

 

Beispiel Hühnerhaltung. Mit der Verlegung des landwirtschaftlichen Betriebs aus der Stadt Coburg nach Großwalbur 1998 baute die Familie Heß den ersten tierschutzgerechten Legehennenstall, der mit 7.500 Hennen der Politik zeigte: tiergerechte Hühnerhaltung ohne Käfige ist auch wirtschaftlich. Die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast und ihr Staatssekretär Matthias Berninger waren zu Besuch. Mittlerweile sind 24.000 Legehennen in der Stallanlage, die für die Hühner auch die Möglichkeit bietet, sich in einem Freigelände außerhalb des Stalls aufzuhalten. Vor der Besichtigung des Stalls klopfte Detlef Heß an die Metalltür: „Hühner mögen keine Überraschungen!" Nach einiger Zeit musste die Tür wieder geschlossen werden wegen Gedränge auf der anderen Seite: Hühner sind auch neugierig.

 

Beispiel Schweinehaltung. Nur eins von hundert Sauen in Deutschland sieht mal den blauen Himmel über sich und kann sich draußen bewegen. Auf dem Hessenhof haben alle Schweine diese Möglichkeit. 1.200 Mastplätze gibt es auf dem Hof, die dreimal im Jahr belegt werden. Der Großteil des Futters wird auf den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen angebaut, aber an Futterzukauf kommt auch Detlef Heß nicht vorbei. „Ich halte nichts von gentechnisch manipuliertem Soja, aber hundertprozentig vermeiden werden wir es wohl nicht können!", meint er. BayWa oder Raiffeisen, die großen Futtermittelhändler, schließen eine Kontaminierung des herkömmlich angebauten Sojas nicht aus, und der Druck von Monsanto und Co. wächst, auch in Deutschland.

 

Auf dem Hessenhof wird auch Energie erzeugt: Jede nutzbare Dachfläche ist mit Fotovoltaik-Modulen belegt. Detlef Heß hat die Dachflächen an Naturstrom verpachtet, einen der Ökostrom-Anbieter auf dem deutschen Strommarkt. Und seit zwei Jahren läuft eine Biogas-Anlage mit 265 Kilowatt elektrischer Leistung und rund 350 Kilowatt thermischer Leistung. Bereits seit 1999 hat sich Detlef Heß mit dieser Technik auseinander gesetzt und sich gründlich informiert, bis er den Schritt wagte, in diese Technik zu investieren. Seine Anlage ist eine NawaRo-Anlage, die vor allem landwirtschaftliche Abfälle verarbeitet: Schweine-, Rinder- und Hühnermist. Und auch durch Schweine „veredelter" Schafmist kann in der Biogas-Anlage verarbeitet werden: „Die Einstreu bei Schafen ist viel zu trocken; ich halte für einige Zeit Schweine drauf, die den Trockenmist umarbeiten und für die Biogasanlage passend machen." Ca. 70 Prozent des Substrats für die Biogasanlage sind organische Abfälle aus dem Betrieb, die restlichen 30 Prozent sind Mais- und Grassilage. Die Biogasanlage hat auch den größten stofflichen Umsatz auf dem Betrieb: „Die Biogasanlage muss mit 16 bis 17 Tonnen Material am Tag versorgt werden, die Hühner brauchen rund 2 Tonnen Futter am Tag, die Schweine 1,5 Tonnen" erläutert Detlef Heß. Der Fermenter der Biogasanlage ist sein „größter Stall": In diesem wandeln Bakterien organische Substanz in Methan und Lachgas um, das in einem Zündstrahl-Blockheizkraftwerk in elektrische und thermische Energie umgewandelt wird. Das ausgegorene Substrat wird anschließend auf den Flächen des Betriebs als Dünger wieder ausgebracht, mit deutlich geringerer Geruchsbelästigung und ohne Treibhausgasemissionen. Der Betrieb der Biogas-Anlage ist nicht einfach nebenher zu machen: Ein Jahr hat Detlef Heß getüftelt und experimentiert, bis die Anlage richtig lief. Und täglich müssen 2 bis 3 Stunden investiert werden, um die komplexe Anlage am Laufen zu halten.

 

Mit der Vorstellung einiger Produkte im Hofladen endete die Besichtigung des Hessenhofs. Gabriele Jahn bedankte sich im Namen der Coburger und Kronacher Grünen für die intensive Führung. Hier hat es wahrlich viel zu sehen und zu hören gegeben, was auch im Sinne grüner Politik ist!

 

Hessenhof 01

Der Hessenhof in Meeder-Großwalbur

 

Hessenhof 02

Mandy Hecht und Detlef Heß begrüßen die Gäste

 

Hessenhof 03

Die Besuchergruppe

 

Hessenhof 04

Über dem Eingang des Hühnerstalls.

 

Hessenhof 05

Haltung von Legehennen: ein komplexes Thema.

 

Hessenhof 06

Blick in den Legehennen-Stall.

 

Hessenhof 07

Der Außenbereich des Hühnerstalls.

 

Hessenhof 08

Beim Schweinestall.

 

Hessenhof 09

"Schweine im Weltall"? (Muppets-Show)

 

Hessenhof 10

Wechselrichter zu den PV-Anlagen der Firma Naturstrom.

 

Hessenhof 11

Schweine beim "Veredeln" des trockenen Schafmistes.

 

Hessenhof 12

Bei der Biogasanlage des Hessenhofs.

 

Hessenhof 13

Das mit Biogas betriebene Blockheizkraftwerk.

 

Hessenhof 14

Streicheleinheiten für den Mastbullen.

 

Hessenhof 15

Herzliche Worte des Dankes von Gabriele Jahn an Detlef Heß und Mandy Hecht.

 

Wolfgang Weiß

02.07.2012

Weitere Links zum Thema Landwirtschaft:

 

Grüne Position zum Thema Landwirtschaft

 

Georg Etscheit "Die Mäster" in ZEIT online

 

Bundesverband Tierschutz e.V. zur Tierhaltung in der Landwirtschaft

 

 

 

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